Flüssigseife

In Zeiten von Corona eine Option?

Flüssigseife aus dem Seifenspender gilt als hygienische Lösung: Niemand fasst ein über Stunden und Tage nasses Seifenstück an. Der Spender kann mit Handrücken, Handgelenk oder sogar dem Unterarm bedient werden, sogar kontaktfreie Modelle sind erhältlich. Aber ist die flüssige Seife beim Händewaschen jetzt ausreichend?

Seife als Waffe gegen Viren

Seife soll in erster Linie den sichtbaren Schmutz von den Händen lösen, indem sich die kleinen Moleküle an die Schmutzpartikel binden und sie mit dem Waschwasser von der Haut herunterspülen. Aber funktioniert das auch bei Erregern? Prinzipiell legt sich Seife erst einmal um alles herum und schließt es ein – auch um Viren. Aber das ist nicht die einzige Wirkweise. Seife schaltet Viren aus, bevor sie sie entfernt.

Denn die Seife greift die schützende Lipidschicht der Viren an. Diese Lipidschicht außen um die Viren soll das Erbgut der Erreger zusammenhalten und schützen. Nur mit intaktem Erbgut können sich die Erreger vermehren und in einem Organismus ausbreiten – also krank machen. Die Seife löst diese Lipidschicht auf. Lipide sind Fette. Dass Seife fettlösend wirkt, ist bekannt. Ist die schützende Hülle der Viren erst einmal kaputt, fallen die Virenkörper in sich zusammen und sind inaktiv. Und das kann Flüssigseife aus dem Seifenspender natürlich genauso gut wie jede andere Seife auch! Es muss nicht unbedingt Arztseife sein.

Alles eine Frage der Zeit

Man kennt das vom Spülen: Bis sich das Bratfett aus dem Topf löst, dauert es ein bisschen. Einfach mal mit dem Spülschwamm und etwas Spülmittel durch den Topf zu wedeln reicht nicht aus, empfohlen wird eine Einwirkzeit von wenigstens einer halben Minute. Warum? Weil die Seifen im Spülmittel so lange brauchen, um die Fette in kleinen Partikeln zu ummanteln und zu lösen. Genau das passiert beim Händewaschen mit Flüssigseife auch: Die Seife ummantelt die Viren und durchdringt die Schicht aus schützenden Lipiden außen. Etwa 20 Sekunden dauert das. Wer also 30 Sekunden lang Hände seift, ist garantiert auf der sicheren Seite.

Und damit schafft die Flüssigseife mehr als jedes Desinfektionsmittel: Viele der frei verkäuflichen Desinfektionsmittel sind gegen Viren nicht wirksam.

Seifenspender und Flüssigseife stehen festen Seifen in nichts nach!

Und was ist nun an der Aussage mit dem hygienischen Seifenspender dran? Im Zusammenhang mit dem Coronavirus kann das tatsächlich wichtig sein. Denn das Virus scheint sich auf Oberflächen zumindest eine kurze Zeit zu halten. Viren konnten auch nach ein paar Stunden noch nachgewiesen werden. Allerdings ist nicht klar, inwieweit es sich bei dem Nachweis von „Virenmaterial“ tatsächlich um intakte, vermehrungsfähige Viren in ausreichender Anzahl für eine Infektion handelt … Wer ein Seifenstück mit anderen Menschen zusammen benutzt, muss mit dieser Unsicherheit leben. Bei Flüssigseife aus dem Seifenspender gibt es diese Unsicherheit nicht: Der Spender kann bedient werden, ohne ihn mit den vielleicht kontaminierten Händen zu berühren. Das ist also in jedem Fall eine saubere Angelegenheit.

Hautpflege nicht vergessen!

Cremeseife, Arztseife, Olivenölseife oder Bio-Qualität: Es ist eigentlich egal, mit welcher Flüssigseife man derzeit die Hände wäscht. Denn die Seife greift grundsätzlich nicht nur die Lipidschicht der Viren an, sondern auch die natürliche Schmutzschicht der Haut. Die Haut braucht also nach dem Händewaschen Pflege. Eine einfache Handcreme reicht aus.