Skandal - Von der Unstillbarkeit des Verlangens! Wir schreiben das Jahr 1926, Köln, die Uraufführung von „Der wunderbare Mandarin". Der skandalöse Ruf des Sujet, eilt dem Ballett schon voraus. Ein sittenloses Machwerk, eine schamlose Provokation, jede Moral verhöhnend. Und die Premiere bestätigte alle Befürchtungen! Das ist zuviel! Dem muss Einhalt geboten werden, sonst wäre die Integrität der Bürger der Stadt ernsthaft in Gefahr. Also handelt der OB und verbietet alle weiteren Aufführungen. Dieser um die Sittlichkeit seiner Mitbürger besorgte OB, war niemand anderes als Konrad Adenauer. Was veranlasste diesen deutschen Urdemokraten die Freiheit der Künste derart zu beschneiden? Welch Abgründe musste dieses Werk enthalten?An sich ist es eine ganz einfache Geschichte. Eine Bande von drei Raubmördern bedient sich einer jungen mädchenhaften Prostituierten, um reiche Freier in einen Hinterhalt zu locken. Ein alternder schmieriger Dandy und ein schüchterner Jüngling, werden nacheinander ermordet und ausgenommen. Dem Mädchen wiederstrebt diese Niedertracht, doch sie muss sich der Mörderbande fügen. Dann erscheint, wie aus einer anderen Welt, die fantastisch schillernde Figur des Mandarin. In all seiner exotischen Pracht, bricht er in die graue Realität hinein. Angetrieben durch nichts als sexuelle Gier, die ihn, als er die lockende Gestalt der Prostituierten erblickt, in wilde Raserei verfallen lässt. Das geschockte Mädchen voll panischer Angst, flüchtet vor diesem hemmungslosen Verlangen zu ihren Zuhältern. Diese versuchen, überwältigt von seiner orgiastische Gier, den Chinesen zu töten, ersticken ihn, erstechen ihn, hängen ihn an einem Lampenhaken auf! Erschöpft treten sie beiseite, die „Leiche" des Mandarin zurücklassend. Doch er kann nicht wirklich sterben, beginnt in der Finsternis zu leuchten. Das Verlangen, die fleischliche Lust, lässt ihn auferstehen. Ein letztes mal hetzt er hinter dem Mädchen her, das sich schließlich, voll Mitleid, seinem Verlangen beugt. Erst das stillen seiner glühenden Gier, lässt ihn im Tode ruhen. Die Musik Bartoks trägt in ihrem expressivem Ton, den schrillen Dissonanzen, perfekt diese damals als abartig empfundene Handlung. Ein musikalischer Rausch der den Hörer in den exotischen Wahnsinn des Mandarin treibt. Die Gier, das fleischliche Verlangen, ein Sinnbild menschlicher Triebhaftigkeit. Also wagt den Sprung in die Tiefen menschlichen Verlangens. Der Mandarin erwartet euch in seiner Gier!
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